Bodenversiegelung stoppen – Ringen um den Dragoneranger geht weiter

BI Dragoneranger mit Parteien im Dialog – SPD signalisiert Umdenken, CDU hält an Versiegelung fest

Geht es nach dem Willen der Stadt Göttingen, soll am Dragoneranger in Weende schon bald 1 wertvoller Ackerboden einem Industriegebiet weichen. Nach der erfolgreichen Auftaktdemonstration am 12. September mit mehr als 350 TeilnehmerInnen und großer medialer Aufmerksamkeit fokussieren sich die MitstreiterInnen der Bürgerinitiative (BI) Dragoneranger aktuell auf Gespräche mit allen politischen Parteien sowie den zuständigen Ausschüssen der Stadt Göttingen.

„Wir halten an unserer Forderung, den Dragoneranger in seiner jetzigen Form zu erhalten, fest und erwarten von allen politischen Akteuren eine umfassende Neubewertung der geplanten Flächenversiegelung in Weende“, bekräftigt Timo Weishaupt, Mitinitiator der BI.

Bei einer Diskussionsrunde am vergangenen Freitag, zu der die SPD Stadtratsfraktion eingeladen hatte, stellten sich die Weender Ortsratsmitglieder Marianne Tönsmann-Rätzke und Edgar Culp klar hinter die Forderungen der BI. Es habe ein Umdenken stattgefunden, das Vorhaben sei, besonders mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel, nicht mehr zeitgemäß, betonte das langjährige Ortsratsmitglied Tönsmann-Rätzke. Vielmehr solle die Fläche für die Naherholung aufgewertet werden. Nur wenige Tage später folgte am 29.09. in einer Mitteilung des SPD-Stadtverbands die klare Absage an das Vorhaben.
„Wir freuen uns über die deutliche Positionierung und erwarten nun auch von der SPD- Ratsfraktion ein ebenso eindeutiges Umdenken. Auf Worte müssen jetzt Taten folgen!“ fordert Dirk-Claas Ulrich, Mitbegründer der Initiative.

Dahingegen fanden die Bedenken der Initiative am Dienstagabend im Umweltausschuss der Stadt kaum Gehör. „In der Bürgerfragestunde wurde keine unserer Fragen hinreichend beantwortet, dabei hatten wir die Themen im Vorfeld schon eingereicht“, konstatiert BI-Mitglied Dorothea Meldau sichtlich ernüchtert. „Entgegen unserer Erwartungen ergriffen auch nicht die PolitikerInnen das Wort, sondern unsere Anliegen wurden seitens der Verwaltung abgewiegelt.“ Auf die Äußerung der Weenderin, dass man zukünftig, um zur Leineaue zu gelangen, das neue Industriegebiet durchqueren müsse und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sowie Lärm den Erholungseffekt negativ beeinträchtigen, entgegnete ein Verwaltungssprecher, dass der Weg jetzt schon durch Industriegebiet führe, da fiele das geplante Gewerbegebiet am Dragoneranger kaum ins Gewicht. „Umweltpolitik wird wohl in einem anderen Ausschuss gemacht als dem Umweltausschuss“, so Meldau weiter.

Derweil stehen weitere Gespräche an: Für Donnerstagabend hat der Ortsrat Weende die BI zu einer Ortsbegehung eingeladen. Am Freitag treffen sich die Weender mit VertreterInnen von Bündnis 90/Die Grünen. Nur die CDU-Fraktion lehnt bisher einen Austausch ab. Das Verfahren

sei schon weit fortgeschritten und beruhe auf mehrheitlichen Beschlüssen. Es gebe keine neuen Erkenntnisse, die einen Stopp rechtfertigten, erklärte Katharina Schüle-Rennschuh in ihrer Absage an die BI.
„Das sehen wir anders“, kontert Deike Terruhn. „Der Klimawandel ist kein Zukunftsgespenst mehr. Die letzten Jahre waren von Trockenheit und Hitze geprägt. Wir müssen der Erderwärmung begegnen – jetzt! Eine weitere Flächenversiegelung treibt den Klimawandel nur weiter an. Bodenschutz ist Klimaschutz“, unterstreicht die Aktivistin.

Eine für Anfang Oktober geplante Informationsveranstaltung der BI, auf der in einer wissenschaftlichen Bodenansprache interessierten BürgerInnen und PolitikerInnen die vielfältigen Funktionen des Bodens erläutert werden sollten, kann aller Voraussicht nach nicht stattfinden. Denn den Antrag, am Dragoneranger ein Loch für ein Bodenprofil auszuheben, lehnte die Stadtverwaltung ab.

„Bodenansprachen sind nichts Ungewöhnliches. Von einer Stadt, die den Anspruch hat, Wissen zu schaffen, hätten wir mehr Entgegenkommen erwartet“, erklärt Marc-Jochem Schmidt, BI- Mitbegründer und Agrarexperte.

Aktuell befindet sich der Bebauungsplan in der Entwurfsphase. Die Auslegung – und damit die Beteiligung der Öffentlichkeit – ist wohl noch für diesen Herbst vorgesehen. Dirk-Claas Ulrich: „Der Dragoneranger ist eine politische Entscheidung. Die Verwaltung arbeitet die Entscheidungen des Rates lediglich ab. Die Versiegelung kann und muss gestoppt werden. Daran arbeiten wir mit Nachdruck.“

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