Kategorien
Aktuelles Parteien

OB-Wahl 2026: BI Dragoneranger fragt Kandidierende nach ihrer Position

Die Bürgerinitiative Dragoneranger hat die Kandidierenden zur Göttinger Oberbürgermeisterwahl bis zum 30.06. um Stellungnahmen zur Zukunft des Dragonerangers gebeten. Im Mittelpunkt stehen Fragen zum Schutz der Fläche, zu möglichen gewerblichen Nutzungen, zu Boden, Kaltluft, Naherholung, Landwirtschaft und zukunftsfähiger Stadtentwicklung.

Antworten der OB-Kandidierenden, sortiert nach derzeitigem Anteil an Sitzen im Stadtrat.

Onyeka Oshionwu, B90/Grüne

Die Klimakrise macht deutlich, dass wir sehr sorgfältig mit unseren unversiegelten Böden umgehen müssen. Ich setze mich weiterhin ausdrücklich dafür ein, die Ackerflächen am Dragoneranger vor Versiegelung zu schützen und in das Landschaftsschutzgebiet zurückzuführen.

Der Dragoneranger ist kein beliebiges Stück Land am Stadtrand. Es geht um hochwertigen Ackerboden, um ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet mit Leitbahnfunktion Richtung Innenstadt, um Naherholung und um die Frage, wie Göttingen künftig mit unversiegelten Flächen umgeht. Gerade in Zeiten der Klimakrise wäre es ökologisch nicht vertretbar, dieses sensible Areal erneut für ein Gewerbe- oder Industriegebiet ins Spiel zu bringen. Die Ausweisung als gewerbliche Baufläche im Flächennutzungsplan muss deshalb korrigiert werden. Einen Grünen Ratsantrag dazu gab es bereits; politisch durchgesetzt wurde dieser Schritt bisher nicht.

Gleichzeitig stehen wir Göttinger Grünen – und ich als Oberbürgermeisterkandidatin – der Ansiedlung innovativer Unternehmen und Start-ups ausdrücklich positiv gegenüber. Göttingen braucht zukunftsfähige Arbeitsplätze, eine starke lokale Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung. Aber dafür brauchen wir kein neues Gewerbegebiet auf der grünen Wiese am Dragoneranger. Auch Begriffe wie „grün“ oder „ökologisch“ ändern nichts daran, dass eine gewerbliche Entwicklung dort konkrete Fragen nach Fläche, Versiegelung, Verkehr, Kaltluftfunktion und Folgekosten aufwirft.

Bevor weitere wertvolle Böden versiegelt werden, müssen vorhandene Leerstände, bereits erschlossene Gewerbeflächen und Nachverdichtungspotenziale konsequent erfasst und genutzt werden. Ein Gewerbeflächenkataster wäre dafür ein wichtiger Schritt – ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vernünftig, denn jede neue Außenentwicklung bedeutet Erschließungskosten, Infrastrukturfolgen und langfristige Bindungen für die Stadt.

Der Dragoneranger sollte in einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung nicht als stille Reservefläche für spätere Versiegelung betrachtet werden, sondern als Teil der grünen und produktiven Infrastruktur Göttingens. Schon heute ist die Fläche nicht ungenutzt: Sie wird landwirtschaftlich bewirtschaftet und dient der Universität Göttingen für wissenschaftliche Versuche. Perspektivisch kann sie ein Ort bleiben und werden, an dem Landwirtschaft, Forschung, Bildung, Klimaanpassung und Naherholung zusammen gedacht werden – etwa durch kooperative, bodenschonende Nutzungen wie Lernacker-Projekte, Agroforst, AgroPV in Kombination mit Permakultur oder solidarische Landwirtschaft.

Entscheidend ist: Die Fläche muss Boden bleiben. Denn Boden ist nicht vermehrbar. Was einmal versiegelt ist, ist als Acker, Kaltluftfläche, Lernort und Landschaftsraum auf lange Zeit verloren.

Florian Dinger, SPD

1. Welche Zukunft sehen Sie für den Dragoneranger? Soll die Fläche aus Ihrer Sicht dauerhaft vor Bebauung und Versiegelung geschützt werden?

Der Dragoneranger ist die unbebaute Frischluftschneise von Norden in die West- und Nordstadt sowie Weende. Insofern hat sie m.E. für Göttingen eine wichtige klimatische Funktion die mit dem Klimawandel an Bedeutung gewinnt. Eine Bebauung sollten wir hier nicht planen.

2. Wie bewerten Sie an dieser Stelle den Zielkonflikt zwischen Gewerbeentwicklung, Bodenschutz, Klimaanpassung, Landwirtschaft und Naherholung?

Wie schon oben angedeutet, sehe ich hier das gewichtigste Argument bei der Klimaanpassung mit dem Bodenschutz.
Wir können und sollten neue Gewerbeflächen durch Flächenarrondierungen, dort wo wir schon Gewerbe haben, und Nachnutzungen von Gewerbebrachen entwickeln. 

3. Halten Sie eine gewerbliche Entwicklung am Dragoneranger – ganz oder teilweise, auch unter Begriffen wie „grün“, „ökologisch“ oder „nachhaltig“ – weiterhin für denkbar? Falls ja: Welche Fläche meinen Sie konkret, und welche Folgen hätte eine solche Entwicklung aus Ihrer Sicht für Boden, Kaltluft, Verkehr, Naherholung und städtische Kosten?

Nein und ein “wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß” ist Augenwischerei und wäre ein Kompromiss mit dem niemandem wirklich geholfen sein würde. Wir beommen weder attrative großzügige Gewerbeflächen noch erhalten wir uns die Kaltluftscheise mit dem Naturraum. 

4. Welche Rolle sollte der Dragoneranger in Ihrer Vorstellung einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung für Göttingen spielen?

s. Antwort unter 1. und 2.

Ehsan Kangarani, CDU
  1. Welche Zukunft sehen Sie für den Dragoneranger und soll die Fläche dauerhaft vor Bebauung geschützt werden?

Eine zukunftsfähige Stadtpolitik darf sich bei solch komplexen Themen nicht in pauschalen Verboten oder starren Richtlinien verlieren. Ein absoluter und dauerhafter Schutz vor jeglicher Nutzung greift aus meiner Sicht zu kurz, da sich die Bedürfnisse einer Stadt über Jahrzehnte verändern. Gleichzeitig ist mir vollkommen bewusst, dass eine unüberlegte, großflächige Versiegelung dieser sensiblen Fläche – wie sie zunächst in der Zeit vor meinem kommunalpolitischen Engagement von den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung geplant war – keine Option ist. Die Zukunft des Dragonerangers liegt für mich in einer transparenten, wissenschaftlich begleiteten und ausgewogenen Entwicklung, die den Schutz von Natur und Klima fest verankert, ohne zukünftigen Generationen pauschal alle Gestaltungsspielräume zu nehmen.

  1. Wie bewerten Sie den Zielkonflikt zwischen Gewerbeentwicklung, Bodenschutz, Klimaanpassung, Landwirtschaft und Naherholung?

Dieser Zielkonflikt ist real und stellt eine der größten Herausforderungen moderner Kommunalpolitik dar. Wir dürfen die einzelnen Interessen nicht ideologisch gegeneinander ausspielen. Auf der einen Seite benötigt Göttingen dringend Raum für wirtschaftliche Entwicklung und die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze – nur mit einer starken Wirtschaftskraft können wir die sozialen, kulturellen und ökologischen Aufgaben unserer Stadt langfristig finanzieren. Auf der anderen Seite sind hochwertige Böden, landwirtschaftliche Nutzflächen und funktionierende Kaltluftschneisen angesichts des Klimawandels unersetzliche Güter für die Lebensqualität in unserer Stadt. Der Schlüssel liegt hier nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“ durch innovative, multifunktionale Planungsansätze.

  1. Halten Sie eine gewerbliche Entwicklung weiterhin für denkbar, und welche Folgen hätte dies?

Eine gewerbliche Erschließung im klassischen Sinne – also reine Asphalt- und Betonflächen ohne ökologischen Mehrwert – ist am Dragoneranger nicht mehr zeitgemäß. Eine behutsame Entwicklung unter strengen Kriterien der Nachhaltigkeit („grün“, „ökologisch“, „zirkulär“) halte ich jedoch weiterhin für denkbar und diskussionswürdig.

Falls Teile der Fläche genutzt werden sollten, muss sich dies auf Bereiche beschränken, die die Kaltluftströme für die angrenzenden Stadtteile nachweislich nicht beeinträchtigen. Eine solche Entwicklung müsste mit innovativen Konzepten wie Gründächern, maximaler Entsiegelung, eigener erneuerbarer Energieerzeugung und der Schaffung von Ausgleichsräumen direkt vor Ort verknüpft werden. Die Folgen für Verkehr und städtische Kosten müssten im Vorfeld durch exakte Gutachten minimiert werden, sodass eine Belastung der Anwohnenden ausgeschlossen und die wirtschaftliche Rentabilität für die Stadt garantiert ist.

  1. Welche Rolle sollte der Dragoneranger in Ihrer Vorstellung einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung für Göttingen spielen?

In meiner Vorstellung von Göttingen soll der Dragoneranger als Modell und Impulsgeber für eine integrierte, moderne Stadtentwicklung dienen. Er zeigt uns eindringlich, dass wir Wirtschaft, Natur und Lebensqualität zusammendenken müssen. Die Fläche sollte beispielhaft demonstrieren, wie wir den ökologischen Umbau unserer Gesellschaft vorantreiben und gleichzeitig die wirtschaftliche Basis sichern, die eine Stadt erst lebenswert macht. Ich stehe für einen Weg der Vernunft, des Dialogs und der maßvollen Mitte.

Von Thomas Goes (Die Linke) haben wir keine Rückmeldung erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert